Tag 3: Von Hessen nach NRW

Endspurt – Ab nach Hause

Was bisher geschah:
Der neue Kona wurde in Bayern abgeholt und mit einem kleinen Umweg über den Schwarzwald ging es nach Frankfurt. Dort verbrachte der Kona die Nacht an der Schuko-Steckdose und es war abzusehen, dass der Akku bis zur Abfahrt nicht voll sein würde…

Frankfurt. Es ist mal wieder 07:30 Uhr, ruhig und dunkel. Unsere Gastgeber schlafen noch, also schleichen wir uns aus dem Haus, stöpseln den Kona ab und stromern vom Hof. Der Akku ist nach etwa zehn Stunden an der (Haushalts)Steckdose zu zwei Dritteln gefüllt. Immerhin. Das dürfte dann ungefähr 200km Reichweite entsprechen. Also los…

Wie auch gestern war klar, dass die beste Routenplanung den Kontakt mit der Realität nicht sonderlich lange übersteht. Daher wurde alles bisherige verworfen und als erster Ladestopp wieder ein Ionity Hochleistungs-Schnelllader eingeplant. Diesmal in Bad Honnef, knapp 150km entfernt. Also recht entspannt zu erreichen. Genug Strecke, um aufzuwachen (danke, Onkel Albrecht, für die feine Koffeein-Brause!!!) und sich noch ein bisschen mit dem Auto vertraut zu machen. Schon recht schick ausgestattet: Spurassistent, Abstandsradar, Regensensor, usw.

Kurz gesagt: Reichte beim (ähnlich vollgestopften) Passat eine einzelne Gehirnzelle, um auf der Autobahn zu fahren, tut es beim Kona eine halbe… Sowohl Radar als auch Spurassistent arbeiten dermaßen feinfühlig, dass man sich kaum noch auf das Fahren konzentrieren muss. Auf der einen Seite toll, weil die Elektronik weder schläft noch sich ablenken lässt: Der Vordermann bremst? Egal, der Kona bremst halt mit!
Auf der anderen Seite verlockt es dann eben doch, sich von all den Dingen ablenken zu lassen, die man während der Autofahrt halt so machen kann, aber nicht sollte!
Hier hilft es, sich klar zu machen, dass es eben kein „Autopilot“ ist, sondern nur ein paar – wenn auch gut gemachte – Assistenzsysteme. Also, auch wenn’s schwer fällt: Finger ans Lenkrad und Augen geradeaus!!!

Fahren ohne Frühstück

Wie einleitend schon gesagt, ging es quasi direkt von der Couch ins Auto. Frühstück? Wird überbewertet. Außerdem kann man das ja nachholen. Wo? Richtig: An der Ladesäule. Oder, besser gesagt, am Rasthof bei der Ladesäule. Denn das Wetter kann allumfassend mit einem schönen rheinischen Wort beschreiben: Usselich. Kalt, windig, regnerisch. Kurz: Usselich.

Während der Kona wieder genüsslich am Kabel schlürft, gönnt sich der Chauffeur dann erstmal einen Kaffee und endlich auch feste Nahrung in Form eines Brötchens.

So soll es ja sein: Die Zeit möglichst sinnvoll nutzen. Im Gegensatz zum klassischen Tanken muss man schließlich nicht neben dem Auto stehen bleiben, sondern kann bzw. darf etwas anderes machen: Frühstücken, Blog schreiben, spazieren gehen. Wenn man sich mal vor Augen hält, wie viel Zeit man beispielsweise mit dem Handy bei Facebook, usw. verbringt, kommen da schon einige geladene Kilometer zusammen.

In diesem Falle haben Brötchen, Kaffee und Facebook etwa 30 Minuten gedauert und mit 150km zusätzlicher Reichweite ging es wieder weiter.

Einschub – Was bedeuten eigentlich die ganzen Zahlen auf der Ladesäule?

Für die technisch Interessierten hier mal eine kurze Abhandlung: Das Auto zieht hier gerade 57kW aus der Säule (das entspricht knapp 26 handelsüblichen Föhns) und hat innerhalb von knapp 31 Minuten fast 36kWh in den Akku geladen. Damit könnte man 150km Kona fahren oder den Föhn auch gut 16 Stunden laufen lassen. Das sollte reichen, um auch die dickste Mähne gut knusprig zu bekommen…

Die maximale Leistung der Säule liegt auch hier wieder bei saftigen 350kW, der Kona kann aber „nur“ etwa 75kW aufnehmen. Das ist aber auch schon recht ordentlich und in der Liga spitzenmäßig. Nochmal ein Vergleich zur Größenordnung: Ein Standard-Drehstomzähler vom Einfamilienhaus darf mit 40kW belastet werden. Hier hängen also gewissermaßen zwei Häuser an der Strippe…

Warum aber nur 57kW, wo doch eigentlich 75kW möglich wären? Die maximale Leistung wird nur anfangs erreicht. Da der Akku aber schon zu 61% gefüllt ist, geht die Leistung langsam runter. Man kann es (stark vereinfacht) mit dem Einschenken von einem Glas Bier vergleichen: Zum Schluss geht es halt langsamer.

Im Detail ist die sogenannte Ladekurve hier mal schön dargestellt:

(c) by Fastned

Das ist dann auch der Grund, warum die Ladezeiten meist für den Bereich von 0-80% angegeben werden, wie es folgerichtig auch im Display des Kona zu sehen ist: 48min bis 80%, 101min bis 100%

Genug der Theorie, auf zu den letzten paar Kilometern…

Der nächste Stopp war dann auch endlich der wichtigste: Zuhause! Hallo Familie!!! Hallo Kater! Hallo Zoe… natürlich wollte jetzt auch der Rest der Familie Kona fahren. Also schnell die Kindersitze rein, den Nachwuchs verzurrt, Papa auf den Beifahrersitz (Mama ist ja auch ein bisschen autoverrückt) und ab zum Bäcker. Aber nicht zu irgendeinem…

Keine kleinen Brötchen

Wer sich in NRW mit Elektroautos beschäftigt, wird früher oder später über einen der Pioniere stolpern: Bäckermeister Roland Schüren. Nicht nur, dass er seit geraumer Zeit den Ladepark Hilden betreibt, wo man leckeres Backwerk aller Sorten und immer ein paar Kilowatt bekommt. Nein, er hat auch seine gesamte Flotte elektrifiziert und vor allem: Er veranstaltet jeden Samstag das „Hebdo“ (frz. „wöchentlich“), wo sich Elektrofahrer und Interessenten zum Autos gucken, quatschen, Frühstück, usw. treffen.

Und es trafen sich diesmal deutlich mehr als üblich. Nur, um unseren Kona zu sehen!!!

Naja, nicht ganz. Der Kona ist zwar relativ neu, in Hilden aber fast schon „altes Eisen“. Es waren nämlich ein paar andere sehr interessante Fahrzeuge vor Ort: Elektro-Motorrad, Elektro-Transporter und der neue Kia e-Niro. Mit anderen Worten: Es war proppenvoll und wieder mal sehr interessant.

Leider interessieren sich die Kinder deutlich weniger für Ladeleistung, Kilowatt und Akkutechnik als für Berliner und Kakao. Und da wir unsere Kurzen nicht mästen wollten, um sie bei Laune zu halten, ging es (leider) recht bald weiter zur letzten Station:

IKEA – Kerzen, Hotdogs, Ladesäulen

Die Krone der schwedischen Möbelkultur. Was diese vier Buchstaben bedeuten, weiß wohl jeder: Junge Familien im Kaufrausch. Menschen, die verzweifelt versuchen, Schrankwände in Kleinwägen zu stopfen. Jede Menge Krimskrams, Billy-Regale und Hotdogs…

Was aber vermutlich nur E-Fahrer wissen: Bei Ikea gibt es auch schöne Ladestationen. Keine Hochleistungslader wie an der Autobahn zwar, aber der Kunde soll ja schließlich auch bitte nicht sofort wieder wegfahren. Dafür sind sie kostenlos. In Kaarst gibt es davon vier Stück, das ist schon sehr anständig! Aber auch alle anderen Ikeas haben mittlerweile Lademöglichkeiten geschaffen.

Bekanntermaßen ist es keine sonderliche Kunst, bei Ikea „mal eben“ zwei Stunden zu verbringen. Das reicht aber locker, um den Kona-Akku „mal eben“ zu zwei Dritteln zu füllen. Gratis. Da sind definitiv noch ein paar Köttbullar extra im Budget… womit sich auch erklärt, wie das refinanziert wird: Ikea ist so ziemlich der teuerste Ort, um ein Auto aufzuladen. Jedenfalls, solange noch Platz im Kofferraum ist.

Leider sind sich offenbar immer noch nicht alle Autofahrer darüber im Klaren, dass Verbrennungsmotoren nicht an Ladestationen aufgetankt werden können. Aber immerhin drei von vier Ladeplätzen waren „artgerecht“ belegt. Wobei wir uns die Diskussion, ob die zwei Hybrid-SUVs als „Elektroautos“ bezeichnet werden dürfen, heute mal ersparen wollen.

Viel interessanter als die Kapazität und der Füllgrad des Akkus wurde jetzt aber eine andere Kenngröße: Die Kapazität und der Füllgrad des Kofferraums. Zur Erinnerung, der Kona muss einen Passat Kombi ersetzen! Also haben wir uns heute mal zurückgehalten und ausnahmsweise keine komplette Couchgarnitur gekauft, sondern nur ein paar Kleinigkeiten, die im Passat einen schönen Bodensatz im Kofferraum abgegeben hätten…

Okay, ein bisschen Platz war noch, aber so wie es scheint, dürfte das die wirkliche Herausforderung für den Alltag bzw. die Familienreisen werden. Das war aber ehrlich gesagt schon im Vorhinein die Befürchtung und ist nur sekundär dem Antriebskonzept geschuldet (weil es einfach noch keine bezahlbaren E-Kombis gibt). Aber wenn man bedenkt, mit welchen Fahrzeugen die Leute früher verreist sind, bekommen wir das schon irgendwie hin. Im schlimmsten Fall braucht es halt eine Dachbox. Oder wir schicken die Kinder mit der Post. Auf jeden Fall werden wir auch weiterhin berichten…

Ansonsten kann aber nach 1.037 Kilometern in zwei Tagen schon mal gesagt werden: Elektromobilität funktioniert. Vielleicht nicht für jeden. Und definitiv nicht ohne ein gewisses Umdenken. Aber für uns besser als erwartet! Und jeder, der schon mal ein modernes Elektroauto gefahren hat weiß, dass der Fahrspaß und die sonstigen Vorzüge es wert sind, auch mal ein paar Einschränkungen in Kauf zu nehmen. Aber das ist ein anderes (Blog)Thema…

In diesem Sinne allzeit Gute Fahrt und immer ein paar Kilo Watt im Akku!

Eure Elektrofamilie

1.037 Kilometer…


8 Kommentare zu „Tag 3: Von Hessen nach NRW

  1. Gratuliere zum Neuen!
    Schöner Bericht und der lässt darauf schließen, dass das Fahren bei Dir mit dem Kona genau so entspannt läuft, wie bei mir mit Kona!
    Viel Freude und Spaß noch für Dich und Deine Familie!

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    1. Gute Frage, schönes Thema für einen Blogbeitrag…

      Aber kurz erklärt: Entweder mit Heizdrähten wie beim Föhn oder, besser weil weniger Energieverbrauch, mittels Wärmepumpe. Der Kona und auch die Zoe haben letzteres 😉

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  2. Liest sich toll, ich warte aktuell auch auf meinen Mona, bestellt Anfang Oktober …. kann es kaum abwarten und hoffe, dass die 12 Monate Wartezeit sich doch als Mythos entwickeln …. Euch allzeit gute Fahrt !

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